TechnoNaturen der Ernährung: Zur (Re-)Konfiguration von Natur/Technik

Dissertationsprojekt Laura Trachte

Teilprojekt im BMBF-Projekt, Die Sprache der Biofakte
Insbesondere ein Aspekt von Ernährung ist immer wieder Anlass für rechtliche, politische, ökonomische und lebensweltliche Auseinandersetzungen: ihre Technologisierung. Mal wird sie als Fortschritt gefeiert (z.B. bei der Haltbarmachung von Lebensmitteln oder beim Einsatz innovativer Technologien für eine nachhaltigere Landwirtschaft), mal wird die Zukunft der Ernährung in der Rückbesinnung auf das Natürliche gesehen (z.B. bei der Nachfrage von möglichst ‚naturbelassenen‘ Produkten).

So oder so, Natürliches und Technisches gehen in der Ernährung immer neue Allianzen ein, mit denen die Verhältnisse von Natur und Technik zunehmend unklarer werden. Nicht erst seit heute greifen Technologien von der Züchtung, über den Acker bis hin zur Zubereitung in Ernährung ein und sind bis auf das Engste mit biologischen Prozessen verwoben. Und sogar die gegenwärtig starke Nachfrage nach explizit naturbelassenen Lebensmitteln (z.B. in Form von Bio-Produkten) kann als Ausdruck durch und durch technologisierter Bedingungen der Ernährung betrachtet werden. Heute verändern neue Technologien die Pflanzenzucht (z.B. gentechnologische Methoden), die Agrarproduktion (z.B. Smart Farming mit Agrarroboter) und die Lebensmittelherstellung (z.B. 3D-Druck von Lebensmitteln).

Das Dissertationsprojekt untersucht die beweglichen Beziehungen von Natürlichem und Technischem, die sich vor allem durch neue (Züchtungs-, Anbau- und Ernährungs-)Technologien immer wieder re-konfigurieren, anhand von Regulierung (z.B. EU-Ökoverordnung), Innovation (z.B. Digitalisierung der Landwirtschaft) und Konsum (z.B. Food Messen).

Fragestellung

Wie re-konfiguriert sich das Verhältnis von Natur und Technik unter den technisierten Bedingungen der TechnoSociety im Fall von Ernährung?

These

Technisches und Natürliches emergieren als Elemente ihrer Relationierung genauso und genau wie sie in Beziehung stehen und sich intra-aktiv (im Unterschied zu inter-aktiv) aufeinander beziehen. D.h. Elemente, wie z.B. Produkte, gesetzliche Regulierungen oder Ernährungsweisen, entstehen zuallererst in und durch ihre Relationierung, in der sie als technisch oder natürlich plausibel werden. So finden sich jeweils spezifische, raum-zeitlich nur vorübergehend stabile Verhältnisse von Natürlichem und Technischem ein.

Beitrag zum Forschungsprogramm

Die Position von Ernährung zwischen Natur und Technik fordert unser generelles Verständnis dieser Kategorien heraus: Auch als ‚natürlich‘ wahrgenommene Bedingungen werden als durch und durch technologisierte Bedingungen der TechnoSociety – als TechnoNatures – beschreibbar.

Dieses Projekt ist Teil des Forschungsprogramms des MCTS

Empirisch sucht das Projekt mittels diskursanalytischer Perspektive einen Zugang zum Thema Ernährung, das bewusst weit gefasst ist: Es umfasst aktuelle Entwicklungen aus Innovation, Regulierung und Konsum im Ernährungsbereich und untersucht Phänomene aus Züchtung, Landwirtschaft und Zubereitung, in denen neue Technologien immer neue Verhältnisse hervorbringen. Das Dissertationsprojekt untersucht auf reflexive Weise, wie wir unsere Ernährung einrichten. Ernährung ist ein Alltagsphänomen mit zahlreichen politischen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten, weshalb das Projekt für einen öffentlichen Dialog hohe Anschlussfähigkeit besitzt.