Die Interfaces der Sozialen Robotik

Dissertationsprojekt Benjamin Lipp

Gesellschaft wird zunehmend von ‚autonomen‘ (intelligenten, sozialen) Technologien bevölkert und in  diesem Sinne von Prozessen der Automatisierung durchdrungen. In den verschiedensten Gesellschaftsbereichen wird bereits jetzt der Einsatz von Assistenz-Robotern vorbereitet, z.B. in der Pflege oder der Therapie. Das Vorhaben widmet sich den gesellschaftlichen Bedingungen sozialer Robotik und den Folgen dieser zunehmenden Technologisierung sozialer Praxis.

Fragestellung

Wie werden Pflege- oder Assistenz-Roboter als technosoziale Adressen hergestellt, sowohl im Rahmen des Konstruktionsprozesses im Labor, als auch in Realexperimenten an Orten zukünftig anvisierter Anwendung?

These

Durch immer enger werdende Interaktionsverhältnisse zwischen Mensch und Maschine in Alltagsbereichen wie der Pflege oder der Therapie treten soziale Roboter dem Menschen nicht mehr als passive beziehungslose Objekte gegenüber, sondern sie fügen sich als personalisierte Companions in diese Kontexte ein. Um dies zu ermöglichen, muss die soziale Robotik nicht nur soziale Roboter programmieren und bauen, sondern vor allem  Interfaces, d.h. Umgebungen und Schnittstellen einrichten, in denen sowohl der Mensch als auch der Roboter füreinander verfügbar werden können.

Beitrag zum Forschungsprogramm

Mit der Sozialen Robotik zeichnet sich damit ein neues Verhältnis von Technik und Sozialität ab. Sozialtechnologien der Therapie und Pflege verschränken sich zunehmend  mit Sachtechnologien, die herkömmliches Verständnis von Technik herausfordern. Technik lässt sich nicht einfach mehr nur als passives Werkzeug begreifen, sondern muss als technosozialer Akteur im Kontext seiner Herstellung und Verwendung verstanden werden.

Dieses Projekt ist Teil des Forschungsprogramms des MCTS

Empirisch gilt es, mittels ethnografischer und videografischer Methoden dem Verhältnis von maschinellen und menschlichen Akteuren auf die Spur zu kommen. Ein solcher Ansatz versteht sich als interdisziplinär, da er unterschiedliche Forschungsinteressen, zum Beispiel aus den Bereichen des Interaktionsdesigns oder der Mensch-Roboter Interaktion (HRI), aufeinander bezieht und soziologisch anreichert. Das Verhältnis von Robotik und Gesellschaft wird dabei reflexiv in den Blick genommen und als Reflexion über die Herausforderungen und Chancen der sozialen Robotik in den öffentlichen Dialog eingebracht.