NeuroTechSociality: Das Gehirn und seine Gesellschaft. Eine Wissens(schafts)soziologe der Neurowissenschaften

Sabine Maasen

Der aktuelle neurokonstruktive Imperativ lautet: Da einerseits Hirnbedingungen die Leistungsfähigkeit einer Person bestimmen, andererseits anregende Umgebungsbedingungen die Hirnentwicklung begünstigen, folgt daraus die Chance und Notwendigkeit, günstige Umgebungsbedingungen für die Hirnentwicklung zu schaffen.

Fragestellung

Die Frage ist, auf welche Weise und aus welchen Gründen neurotechnologische Interventionen invasiver und nicht-invasiver Art Teilkollektive so prägen, dass in Anlehnung an Rabinows Biosocialities“ von Neurosocialities“ zu sprechen wäre.

These

Die These ist, dass sich dieser von anwendungsorientierten Neurowissenschaftlern betriebene und von  ‚modernisierungswilligen' Sozialwissenschaftlern rezipierte Neurokonstruktivismus weniger als Neuroreduktionismus, sondern als neurokultureller Ko-Konstruk­tivismus verstehen lässt. Darin figuriert Kultur einerseits als Ressource neurotechnologischer Selbsteinwirkungskompetenz (z. B. neuroprothetisch), andererseits als sozialitätsstiftendes Resultat (die 'hirngerecht gestaltete' Kultur).

Beitrag zum Forschungsprogramm

Deshalb werden ganz verschiedene Neurotechnologien (u.a. deep brain stimulation, kosmetische Psychopharmakologie) Gegenstand einer Studie, in der zunächst die neurokulturelle Semantik analysiert und dann die Vermutung geprüft wird, dass sie als Effekt und Vehikel eines spezifischen Arrangements von Individuum und Gesellschaft zu deuten ist: als ein Arrangement neosozial agierender Individuen in technisierter Wissensgesellschaft.